Republica: Foodblogs, Weltverbesserer und ein silberner Sellerie

Für mich eine besonders tolle Sache auf der Republica: Ich erfahre geballt, was sich in der Blogosphäre so tut und welche Blogs es überhaupt gibt zu den verschiedensten Themen. Besonders vergnüglich und zugleich appetitanregend ging es gestern zu bei der Diskussion über deutsche Foodblogs und ihren nicht immer ganz einfachen Standort zwischen Fernsehköchen und den Gourmet-Verlagen mit ihren Hochglanz-Kochbüchern.  Wenn mich nicht alles täuscht, wies der Saal die mit Abstand höchste Frauen-Dichte aller bisherigen Sessions auf. ;) Moderiert wurde die Diskussion von Ines Gutierrez, alias Kaltmamsell. Einige werden sie auch als MAN-Kommunikatorin kennen.

Außerdem mit von der Partie: Die Blogger von Deliciousdays, Rettet das Mittagessen, Nutriculinary und das Magazin Effilee. Wie bei Sascha Pallenbergs Session vorgestern zu der misslichen Lage deutscher Techblogs war auch bei dieser Diskussion herauszuhören, dass besonders erfolgreiche Kollegen und Kolleginnen in den USA Millionen (!) mit ihren Blogs verdienen, während die deutschen schwerlich davon leben können. Das ist  in den USA vielleicht auf eine höhere Akzeptanz des Mediums allgemein aber auch auf eine unverkrampfteres Verhältnis zu Werbung auf dem Blog zurückzuführen.

Nicole Stich von Deliciousdays brachte dazu das Beispiel eines Banners, auf dem ein Klodeckel zu sehen war, das aber bei Schaltung ungemein viel Geld eingebracht hätte. Könnte ich mir auf einem Blog über Essen auch nicht so gut vorstellen…Insgesamt waren sich die Foodblogger einig, dass es für Neulinge in Zukunft schwerer sein wird, sich bei der Fülle deutscher Foodblogs an der Spitze zu positionieren und dass sich die Szene weiter professionalisieren wird. Weitere Erkenntnis: Rezepte sind der Klassiker, wenn es um gerne und umsonst geteilten Content geht. Ein Urheberrecht darauf konnte sich niemand auf dem Podium vorstellen. :)

Blogs legen den Finger in die Wunde

Weiter ging es mit einer Session über Blogs, die sich in der jüngsten Zeit besonders hervorgetan haben durch ihr Engagement, das zu mehr Transparenz führt und hilft, Missstände anzuprangern bzw. abzuschaffen. Philip Banse stellte Vroniplag, Wir-sind-Einzelfall, wheelmap.org sowie den Blog-Aggregator Rivva vor.  Deborah Weber-Wulff von Vroniplag forderte angesichts der Vielzahl von Dissertationen, die sich als Plagiate entpuppen, dass die Universitäten hier endlich Abhilfe schaffen müssen (Zeitmangel, zu wenig Ressourcen, zu viele Studenten etc.). Matthias Bauer von “Wir sind Einzelfall” lobte den Mobilfunk-Provider O2, der sehr konstruktiv auf das Anliegen seines Blogs eingegangen sei. Inzwischen seien die Performance-Probleme in den meisten Bereichen des Netzes behoben, er sei auch weiter Kunde bei dem Anbieter. Hier zeigt sich, dass ein Unternehmen, das offen und professionell kommuniziert, nur gewinnen kann.

Raul Krauthausen von wheelmap.org erklärte das Prinzip der Plattform, auf der User Rollstuhl-gerechte Orte melden können, so dass andere bei einer entsprechenden Umgebungssuche wissen, wo sie barrierefrei in eine Museum, ein Cafe, eine Behörde o.ä. reinkommen.  Krauthausen zeigte Verständnis für die “Noch-nicht-Behinderten” und warb  dafür, die Dinge auch einmal anders herumzusehen: “Nicht-Behinderte haben auch ein Recht, mit Behinderten zusammen zu leben.” Mir gefällt Krauthausens Projekt sehr gut! Zuguterletzt kam Frank Westphal vom bekannten deutschen Blog-Aggregator Rivva zu Wort. Rivva mit 5.000 Nutzern am Tag wurde bislang von BMW gesponsert, dieses Engagement läuft jedoch im kommenden Dezember aus. Es ist zu hoffen, dass der Nachfolge-Sponsor schon in den Startlöchern steht, denn wer soll sonst zukünftig den Puls der deutschen Blogosphäre messen?!

Heute ist der letzte Tag der Republica, die sich durch den Ortswechsel, ein nettes Rahmenprogramm und eine viel viel bessere Org in (fast) jeder Hinsicht gesteigert hat. Besonders gespannt bin ich auf die Session mit Steffen Seibert, dem @regsprecher. Achja, bevor ich das vergesse: Ich hab euch noch ein kleines Schmankerl mitgebracht von den gestrigen Verleihung des silbernen Selleries für das schlechteste Online-Videos. Also ich fand den Tübingen-Song gar nicht so schlecht :) .

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About Meike Leopold

Gab es wirklich ein Leben vor dem Social Web? Meike Leopold kann es sich kaum noch vorstellen. Sie ist seit 6 Jahren PR Managerin bei NTT DATA und verfolgt die rasanten Entwicklungen in der Onlinekommunikation mit großem Interesse. Meike Leopold on Twitter: http://twitter.com/Leopom

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4 Responses to Republica: Foodblogs, Weltverbesserer und ein silberner Sellerie

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    Meike Leopold 8. Mai 2012 at 12:15 #

    Hallo zusammen, hier kommt noch ein Blogbeitrag von QSC zur rp. Ist sehr gut geworden: http://blog.qsc.de/2012/05/republica-2012-willkommen-am-nerdpol/

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    Meike Leopold 7. Mai 2012 at 16:31 #

    Hallo Katja, ich mach mich mal schlau bei den deutschen Foodlbloggern! lg, Meike

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    Yamna 5. Mai 2012 at 20:43 #

    @Katja Friedrich
    Mir fallen jetzt spontan auch keine berühmten Foodblogs ein aber ich bin in den letzten Monaten immer wieder über Randnotizen in anderen Blogs darauf gestoßen und hab diese Idee mit Verwunderung wahrgenommen, da sie aus meiner Sicht aus dem “hipstertum” hervorgegangen ist und ich die Entwicklung so gar nicht schätze.

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    Katja Friedrich 4. Mai 2012 at 12:19 #

    Hallo Meike,

    vielen Dank für Deine Eindrücke. Sehr interessant. Hast Du denn mal einige Beispiele für diese mega-erfolgreichen US-Foodblogs?

    Schaue ich mich in meinem persönlichen Umfeld um, dann ist das Interesse am Internet gar nicht so groß. Viele sind nicht mal auf Facebook, von Twitter, Pinterest, Foursquare zu schweigen. Daher ist da sicher auch kein großes Interesse an Blogs. Ob das allerdings als Erklärung reicht?

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