Product Development goes Social

Mein Blog ist mein Haus, Facebook meine Stammkneipe und Twitter sind die Stimmen in meinem Kopf

Noch nie war es so einfach, Texte, Bilder, Ton oder Videos zu transportieren. Das Social Web ermöglicht direkte Kommunikation über alle Kanäle. Was sich im Privatanwenderbereich durchgesetzt hat, verspricht bei richtiger Anwendung hohen Nutzen im Business-Sektor. In meiner Masterarbeit „Einsatz von Social Media im Product Lifecycle Management“ bei NTT DATA habe ich untersucht, inwiefern sich diese Kommunikationskanäle in der Produktentwicklung einsetzen lassen.

Social Media ist mehr als die Summe seiner Teile

Zum Hintergrund: Blogs, Wikis oder Feeds schaffen neue Kommunikationskanäle in Unternehmen. Besonders in unstrukturierten Prozessen ermöglichen diese Tools eine neue Sicht. In der Produktentstehungsphase etwa lassen sich Geschäftsprozesse nur schwer definieren und so auch nur bedingt in einem Softwaresystem abbilden. Web 2.0-Instrumente unterstützen die Mitarbeiter in der Phase der Innovation bei einer kollaborativen Arbeitsweise. Sie bieten ein Potential, das längst noch nicht ausgeschöpft ist.

Social Product Development

Die Ergebnisse meiner wissenschaftlichen Analyse flossen ein in ein Konzept für einen Ingenieursarbeitsplatz, der fit für die Zukunft ist. Wie sieht so ein Arbeitsplatz aus? Er unterstützt den Benutzer intelligent. Diese Intelligenz lässt sich einerseits durch bessere Nutzung von strukturierten Daten in den vorhandenen Systemen erreichen, zum Beispiel durch Business Intelligence oder 3D-Visualisierung. Neben diesem klassischen Ansatz kann aber auch der soziale Kontext genutzt werden. Auf der Basis von Suchhistorie, Ratings, Vernetzung mit Kollegen etc. erhält das System ein immer umfassenderes Profil des Benutzers. Ähnlich wie Google solche Informationen nutzt, um Werbung zielgenauer zu schalten, kann ein moderner Entwicklerarbeitsplatz die Informationen zur besseren Filterung des Informationsflusses nutzen. Der Datenschutz darf dabei natürlich nicht zu kurz kommen: Der Nutzer sollte darüber Kenntnis haben, welche Informationen aus seinem Arbeitsplatzumfeld für andere und für das System abrufbar sind.

Benefits für Kunden und Zulieferer

Social Media hat das Potential, Dialoge zwischen Kunde und Zulieferer auf einfache Art anzustoßen. Das Bloggen, Chatten und Twittern macht die Kommunikation persönlicher und kann so eine höhere Bindung zwischen den Geschäftspartnern ermöglichen. Durch das Social Web entsteht ebenso eine höhere Transparenz, die gegenseitige Glaubwürdigkeit schafft. Dynamik und Interaktion sind das A und O für die Mitarbeiter in einem Unternehmen, so können sie ihre Ideen in der Phase der Innovation einzubringen.

Im Rahmen meiner Masterarbeit habe ich dazu zwei Untersuchungen bei unterschiedlichen deutschen Premium-Automobilherstellern durchgeführt. Getestet wurde die Akzeptanz von Social Media bei Entwicklungsingenieuren. Dabei zeigte sich, dass verschiedene Tools auf Zustimmung bei den Ingenieuren stoßen. Unter anderem rief ein soziales Netzwerk, das den Bedienkonzepten etablierter Social Networks folgt, neben einem hohen Wiedererkennungswert auch eine Nutzungsbereitschaft hervor. Fazit: Social Computing stellt einen hervorragenden Ansatzpunkt dar, um das kollektive Wissen im gesamten Unternehmen zu nutzen. Der „Mannschaftssport“ der Produktentwicklung lässt sich für global verteilte Teams mit Social Computing auf modernen Kommunikationskanälen organisieren und koordinieren.


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About Christian Wagner

Christian Wagner, 31 Jahre, hat Wirtschaftsinformatik in Saarbrücken studiert und dort als Werkstudent am Deutschen Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz gearbeitet. Für seine Masterarbeit hat es ihn zu NTT DATA nach München gezogen, um einen neuen fachlichen Schwerpunkt im Manufacturing zu setzen. Jetzt berät er die Luftfahrt- und Automotive-Branche.

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3 Responses to Product Development goes Social

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    Patrik Mastellotto 13. April 2012 at 12:01 #

    Sehr gut, Wolfgang!

    Endlich mal jemanden, der Wege aufzeigt, dass sich Social Media Plattformen durchaus in den täglichen Arbeitsprozess einbinden lassen.
    In 10 Jahren wird das zum Alltag gehören und die bisherigen Arbeitsweisen komplett abgelöst haben.
    Das Netz kommt nicht. Es ist schon längst da!

    Gruss Patrik

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    René Heek 13. April 2012 at 08:44 #

    Servus Christian,

    ich kann mich Wolfgang nur anschließen. Vielleicht kannst Du ja schon bald über Deine Erfahrungen mit der konkreten Umsetzung bloggen ;)

    René

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    Wolfgang Funk 11. April 2012 at 18:36 #

    Hallo Chris,

    gelungener Beitrag!
    Ich würde mich freuen, weitere Beiträge zu diesem aktuellen Thema zu lesen …

    Viele Grüsse
    Wolfgang

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