Banken: Hilfe, wo ist mein Business Case?

Banken sind Gefangene des Status Quo – Innovationen finden woanders statt. Ein Aussage mit viel Mut zur Selbstkritik. Es ist auch nicht das erste Mal, dass die Branche über mangelnde Innovationsfreudigkeit klagt. Es ist zwar sicher überzogen, den Geldautomaten als die letzte echte Finanzinnovation zu bezeichnen, doch es ist ein Fakt, dass kein Unternehmen der Finanzbranche zu den Top 50 der innovativsten Unternehmen im Ranking des MIT gezählt wird. Im Gegensatz übrigens zu anderen Vertretern der “Old Economy” wie IBM, Nissan oder Toyota. Dabei gibt es sie doch, die innovativen Ideen. In 2010 wurde der Bump von Paypal zu den Top 25 der innovativsten Produkte gewählt . Hätte nicht auch eine Bank darauf kommen können? Warum eigentlich nicht? Eine mögliche Antwort darauf liefern Finanz-Experten im Payments Innovations Report:

“The barriers that are set by many banks are impossible to surmount, not even their existing business lines would pass these tests.”

Sicher, Banken sind keine Technologie-Unternehmen und bestimmt auch keine Start-Ups. Und die hohen Kundenansprüche an Vertrauen und Sicherheit erfordern ausgereifte Produkte, die aufwändig standardisiert und getestet werden müssen. Argumente, die in der Branche oft genannt werden, und die durchaus nachvollziehbar sind. Doch damit kämpfen Banken mit konventionellen Mitteln um den Kunden. Und diese Mittel werden sich wohl zunehmend als zu träge und stumpf erweisen im Vergleich zu den Guerilla-Methoden der Start-Ups, Googles und Apples dieser Welt, die Trends setzen anstatt nachträglich auf diese zu reagieren. Die Bank of Facebook ist zwar noch eine Vision, doch ein potentieller Kundenstamm von weltweit 600 Millionen Facebook-Accounts und ein eigener Bezahldienst sind schon Realität. Auch die Fidor Bank zeigt einen Weg auf, wie Banking anders und kundengerechter funktionieren könnte – durch Emotionen und Banking mit Freunden beispielsweise.

Aber wo ist denn da der Business Case? Wie rechnet sich das? Eine durchaus wichtige Frage, die wir gerade als Berater aus vielen Kundengesprächen zur Genüge kennen. Sicher, eine betriebswirtschaftliche Basis muss gegeben sein. Doch ebenso wie Kapital ist auch Innovation ein scheues Reh – es braucht schon etwas Geduld und unternehmerischer Weitsicht, um es zu Gesicht zu bekommen. Die Anforderungen eines risikolosen, wasserdichten Business Case kann mögliche Innovationen da viel zu früh wieder vertreiben. Statt des Business Case sollte daher eine andere Antriebskraft im Mittelpunkt stehen: Der Nutzen für den Kunden.  Dieser ist eine ergiebige Futterstelle für Innovationen und somit die entscheidende Kraft für jedes langfristig angelegte Geschäftsmodell.

Daher an dieser Stelle ein Plädoyer für mehr Mut zur Innovation! Innovationsführerschaft ist der Schlüssel zu Kundenbindung und -gewinnung – und somit für Wachstum. Ein Beispiel dafür liefert die Metro Bank, die durch Fokussierung auf den Kundennutzen ein weit überdurchschhnittliches und rein organisches Wachstum in einem scheinbar gesättigten Markt erreichen konnte – und das mit einer Kundenzufriedenheit von über 97 Prozent! Wer hätte das wohl von einer Bank gedacht?

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About Danny Fundinger

Kommt aus der IT und hat nach einem wissenschaftlichen Abstecher in die Chaos-Theorie das Banken-Wesen und den Zahlungsverkehr für sich entdeckt. Als Experte für Mobile Payments bei NTT DATA ist für ihn zudem der branchen-übergreifende Blick auf das große Ganze und insbesondere in die Welt des Mobilfunks gefragt.

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